Richtig vorlesen (oder wie du durch bessere Betonung und Intonation mehr Zuhörer gewinnst)

Richtig vorlesen

Erst die richtige Betonung erweckt einen Text zum Leben. Sprichst du jedoch das erste Mal ein Hörbuch ein oder nimmst ein Video auf, stellst du plötzlich fest, dass deine Stimme eintönig klingt. Und niemand hört gerne einer langweiligen Stimme zu – selbst wenn die Inhalte wirklich interessant sind. Erfahre, wie du einen Text richtig vorlesen lernst, damit dein Publikum bis zur letzten Minute mit Spannung zuhört.

Richtig vorlesen: Die 5 fundamentalen Fehler

Ein eingesprochener Text kann deine Zuhörer mitreißen, begeistern und zum Handeln motivieren. Langweilig gesprochen hingegen bewegen selbst interessante Inhalte lediglich zum Wegschalten. Es gibt viele Wege, wie du richtig vorlesen lernst. Für den Anfang solltest du diese fünf fundamentalen Fehler beim Vorlesen unbedingt vermeiden:

Fehler 1: Fehlende Betonung

Ein Satz setzt sich aus mehreren Wörtern zusammen. Alle diese Wörter scheinen wichtig zu sein. So ist es keinesfalls. Aber es gilt die Regel: Betonen, was geht. Ein entscheidender Betonungsfehler liegt in der fehlenden Betonung von Kerngedanken.

Nimm dir deinen Text und trainiere mit dem ersten Absatz. Welche Begriffe sind für deine Aussage wirklich wichtig? Unterstreiche alle Kerngedanken. Dann lese den Absatz erneut. Achte auf den Unterschied. Es gibt einen fantastischen Trick, mit dem du lernst, die wichtigsten Wörter zu betonen: Das Takten.

Schau dir dazu dieses Video von Matthias Pöhm an:



Ein weiterer Betonungsfehler liegt in der fehlenden Betonung von zusammengesetzten Wörtern mit Präfixen (um, ab, mit usw.).

  • Der Fahrer will den Baum umfahren.

  • Der Fahrer will den Baum umfahren.

Fehler 2: Satzzeichen vernachlässigen

Beinhaltet ein Text ein oder mehrere Satzzeichen, müssen diese mitgelesen werden. Allein dadurch bekommt deine Aussage mehr Schwung und dein Zuhörer kann dir besser folgen.


Der Punkt: Der Sprecher macht eine kurze Pause


Für den Sprecher liegt die Herausforderung darin, die Pause nicht zu lang zu ziehen. Sonst klingen die Sätze abgehackt und der gesamte Absatz verliert an Zusammenhang. Beim Lesen solltest du bei Punkten eine kurze Pause machen UND den Absatz zusammenhängend vorlesen: Pause – Luft holen – weiter geht´s.

Fragezeichen: Deine Stimme geht fragend hoch


Es gibt zwei Arten von Fragesätzen. Der eine beginnt mit einem Fragewort (wer, wie, was, wo…). Der andere beginnt mit einem Verb oder der Person (Hast du…, Gehst du…, Du gehst…, Du hast…, usw.). Je nachdem, mit welchem Wort die Frage eingeleitet wird, steigt oder sinkt deine Stimme am Ende.

  • Du gehst heute ins Kino? – Stimme geht fragend hoch

  • Gehst du heute ins Kino? – Stimme geht fragend hoch

  • Wann gehst du ins Kino? – Stimme geht fragend runter bzw. Fragewort wird betont



Ausrufezeichen: Deine Stimme wird lauter und kräftiger

Wo ein Ausrufezeichen steht, dort wird die Stimme lauter. Der Satz oder das Wort werden bekräftigt.


Lese diese beiden Sätze und achte auf den Unterschied:

  • Du gehst heute nicht ins Kino.

  • Du gehst heute nicht ins Kino!

Komma: Deine Stimme geht hoch

Ein Komma deutet dem Zuhörer an, dass der Satz noch nicht zu Ende ist und weiterer Inhalt folgt. Deine Stimme geht beim Komma hoch. “Ich gehe ins Kino, um einen spannenden Film zu sehen.”

Auslassungspunkte: Die Tonlage verändert sich nicht

Heute habe ich einen Film gesehen, Popcorn gegessen, geweint, mich gefreut und…

Bindestrich: Die Tonlage bleibt, es folgt eine kurze Pause


Innerhalb des Bindestrichs wird die Stimme etwas tiefer und das erste Wort nach dem zweiten Bindestrich wird betont

  • Heute habe ich einen tollen Film gesehen – das Kino war doch noch länger auf – und salziges Popcorn gegessen.

  • Heute habe ich einen tollen Film gesehen und salziges Popcorn gegessen – das Kino war doch noch länger auf.

Fehler 3: Wörter und Endungen verschlucken

Beim Vorlesen solltest du darauf achten, Wörter und Endungen nicht zu verschlucken. Ein ausgebildeter Sprecher hat eine besondere Fähigkeit: Er kann einen Text fließend lesen. Verwechsle fließend jedoch nicht mit schnell. Lerne, einen Text langsam, dafür fließend vorzulesen. Betone fleißig und sprich klar und deutlich.

Fehler 4: Authentisch sein wollen

Betonen, klar und deutlich sprechen, langsam lesen – es mag sich anfangs etwas ungewohnt anfühlen. Wahrscheinlich hast du selbst den Eindruck, dass du völlig unauthentisch bist. Für den Zuhörer jedoch klingt der Inhalt erst interessant, wenn du dir komisch vorkommst.Versuche deshalb nicht auf Biegen und Brechen, authentisch sein zu wollen. Das funktioniert nicht. Entfalte stattdessen dein schauspielerisches Können. Spiele mit deiner Stimme, deiner Gestik und Mimik. Versetze dich in die Lage des Autors, Protagonisten bzw. sprich mit deinem Zuhörer. Aber sei nicht authentisch.Die Authentizität erarbeitest du dir im Laufe des Trainings. Nämlich dann, nachdem du gelernt hast, richtig vorzulesen.

Fehler 5: Nicht trainieren

Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Leistungssportler sind nicht deshalb so gut, weil sie Talent haben, sondern weil sie für ihren Erfolg tagtäglich hart trainieren. Trainiere deshalb fleißig und du wirst schon bald Fortschritte sehen. Dieser Online-Kurs “Sprache professionell aufnehmen” ersetzt keine professionelle Sprechausbildung, könnte aber ein guter Einstieg sein.

Fazit

Nimmst du dein Hörbuch selbst auf, dann kommt es nicht nur auf professionelles Equipment und den gekonnten Umgang damit an. Deine Vorlesetechnik sollte ebenfalls überzeugen. Eine gute Stimme reicht manchmal einfach nicht aus, weshalb einige Autoren gut daran tun, doch eher einen Profi ranzulassen.Falls du doch selbst aufnehmen möchtest, solltest du nun eine gute Übersicht über einige grundlegende Tipps bekommen haben.